Camblaster – Abzocke oder „Schnäppchen“?

Camblaster – Abzocke oder „Schnäppchen“?

Die Nerf Elite Cam ECS-12 (so der volle Name) kommt in der internationalen Nerf-Community bisher eher schlecht an. Das liegt hauptsächlich am Preis, den man für den Blaster mit integriertem Kamera-System bezahlen muss. Denn kaum Jemand scheint gewillt zu sein, 80USD  in eine umdesignte Stryfe mit eingebauter Kartoffel zu investieren. Aber ist der Deal wirklich so schlecht? Lest meine Gedanken nach dem Klick! Danach heisst es wie in der letzten Aufgabe einer Klassenarbeit: „Diskutiere!“

 

Als ich den Camblaster (ich nenne ihn lieber so, nur „den Cam“ erscheint mir komisch) von Hasbro zum Testen zugeschickt bekam, war ich hin und weg. Optisch ist der Blaster ein echtes Highlight. Form, Stabilität und Griffigkeit des Plastiks sind super. Und weil sie so komfortabel ist, hält man sie einfach gerne in der Hand.

Vielleicht ist es mit Blastern wie mit anderen Dingen: Der erste Eindruck zählt – und gegen einmal geweckte Sympathien kommt man auch mit guten Argumenten nicht mehr an. Manche der Argumente erscheinen mir aber nicht mal wirklich gut. Bobololo, der Nerf-Wikinger (den ich mag, weil er mir in Alter und Aussehen ähnlich ist^^) war der erste, dessen Kritik ich mir anschaute, nachdem ich meinen Review fertig hatte. Dadurch motiviert, meine eigene Meinung in Frage zu stellen, folgte ein Streifzug durch die sozialen Netzwerke und Blogs, in denen der Blaster aber noch gar nicht so Thema ist. Mal sehen, was der Blaster noch für Wellen schlägt.

 

Kritikpunkt 1: Halbautomatischer Stryfe-Reshell

Der Blaster ist nur halbautomatisch, also die gleiche Technik, wie in einer Stryfe. Sie dafür aber dann direkt mit dem abfälligen Begriff „Reshell“ (also Neuverpackung)  zu versehen, erscheint mir übertrieben. Ist die Alpha Trooper ein Rampage-Reshell, weil sie die gleiche Technik verwendet? Ich denke mal Nein.

Kritikpunkt 2: Performance – Wo kommen denn die 3 Meter her?

Mein eigener Kritikpunkt, und eigentlich mein einziger. Auch wenn die Verpackung höhere Reichweiten verspricht, sind sie doch einfacher Elite Flywheel-Standard. Gut, aber auch nicht aussergewöhnlich.

Kritikpunkt 3: Preis-Leistungs-Verhältnis – Die teuerste Kartoffel der Welt

Das Hauptargument der Kritiker und der eigentliche Grund für die negativen Reaktionen. Die „Kartoffel-Kamera“ mit 640x480px und 24fps scheint tatsächlich 10 Jahre Elektronik-Geschichte verschlafen zu haben. Dafür eine Menge Geld zu bezahlen, sehen Viele nicht ein. Da hilft auch eine mitgelieferte 4GB SD-Karte nicht, wenn man für den gleichen Preis zwei ausgezeichnete Rapid Strikes bekommen könnte.

tacticaltag1

Quelle: Tactical Tag

fb5fb4

 

Wenn du es willst, musst du es kaufen

Welcome to Marktwirtschaft

Aber Jemand, der gerne eine eingebaute Kamera in einer Nerf hätte, hat sicher wenig von dem Rat, sich für das Geld lieber zwei Rapid Strikes zu kaufen. Generell ist das mit dem Preis so eine Sache. Kalkulieren wir mal durch: Die Rapid Strike bietet sich von der Größe her als Preis für die Kamera an, auch wenn eine Stryfe technisch gesehen wie erwähnt passender wäre. Nehmen wir 35$ als Mittelwert von Toysrus und Amazon.com. Bleiben 45$ zum Verkaufspreis für eine Kamera, Recording-Einheit und Display – und das vorausgesetzt, Hasbro hätte die Produktion des Kamerasystems großzügig kalkuliert. Natürlich ist da geschaut worden, wie man möglichst günstig produzieren kann, um eine möglichst große Gewinnspanne zu haben.

Selbstbau-Systeme: Einfach, Praktisch und HD – aber unsicher und hässlich

Aber selbst gute 30€ scheinen mir ein knappes Budget, einen Kamera-Blaster selbst zu basteln, vor allem wenn er dann auch noch besser sein soll. Natürlich muss man dazu sagen, dass fast jeder im Smartphone-Zeitalter eine Wahnsinns-Kamera in der Hosentasche hat. Aber selbst wenn man sich dazu durchringt, sein Kommunkations-Gerät an einen Blaster zu schrauben, um damit Aufnahmen zu machen: wie wird das größtenteils aussehen? Kabelbinder an abgesägtes Nerf-Zubehör „getüddelt“ (ums Norddeutsch zu sagen). Vom ästhetischen Aspekt her inakzeptabel und kein Vergleich zur großartigen Integration von Kamera, Display und Bedien-Elementen.

Tactical Tag's Rechenbeispiel bevor er von Bobololo überzeugt wurde.

Tactical Tag’s Rechenbeispiel bevor er von Bobololo überzeugt wurde.

Es ist zu teuer, mach es noch teurer!

Auftritt der Video-Profis. Und noch einmal nehmen wir den beispielhaften Blaster-Fan, der gerne eine Kamera in seiner Nerf hätte. Ihm wird jetzt vom Camblaster abgeraten, weil er zu teuer ist. Statt dessen soll er eine Action-Kamera (GoPro) an den Blaster schrauben. Also ist die Lösung für etwas, das zu teuer ist, es noch teurer zu machen, nur damit das Preis-Leistungs-Verhältnis wieder stimmt? Meine Meinung: Wenn 80$ für jemanden zu teuer ist, sind es 300$ allemal – egal wie viel besser das Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Abgesehen davon, dass die GoPro in der einfachen Ausstattung keinen Monitor hat.

Wie sähe es aber aus, wenn Hasbro ein teureres, qualitativeres System verbaut hätte? Da stünde dann ein Spielzeugblaster im Regal mit eingebauter Kamera und würde mit  den anderen Blastern um die Gunst der Kunden konkurrieren. Spätestens der Blick aufs Preisschild würde den Camblaster dann zum Ladenhüter machen. Bei beispielhaften 150€ für ein „Spielzeuggewehr“ dürfte wahrscheinlich auch den hartnäckigsten Kindern die Puste beim Eltern-Anbetteln ausgehen. Bei 80€ könnte das sicher eher gelingen. Die Qualität (oder Nicht-Qualität) der Kamera ist dabei völlig unerheblich, weil man die im Laden nicht checken kann – logischerweise prahlt Hasbro nicht gerade mit den Spezifikationen der Kamera. Spätestens hier wird Eines dem erwachsenen Nerf-Fan wieder bewusst:  Ich bin nicht die Zielgruppe. Ganz egal, dass ich mehr Geld in einem Monat für Blaster ausgebe als ein 8-12 jähriger im Jahr, gegen die Masse komme ich nicht an. Und ein 10-jähriger  braucht vielleicht auch keine 720p@60fps, um Spaß mit dem Blaster zu haben. Zum Rollenspielen und natürlich auch zum Angeben reicht es, cool durchs Display gucken zu können.

Als erwachsener Blaster-Fan kommt meine Leidenschaft für Nerfs durch das Basteln, dem Modden und Bemalen und dem Spielen auf Live-Rollenspiel-Events. Nerf-Blaster bieten auch Erwachsenen so Vieles. Erscheint aber mal ein Blaster, der einfach nicht für Erwachsene taugen will, ist das Geschrei groß. Der Enthusiasmus lässt einfach oft vergessen, was Nerf eigentlich ist: Spielzeug. Und oft sind Dinge mit denen man sich als Erwachsener beschäftigt – harte Fakten wie Reichweite, Geschwindigkeit (oder eben Kamera-Auflösung) – für Kinder zweitrangig, weil sie das noch können, was man als Erwachsener nicht mehr kann: Einfach spielen.

 

Damit überlass ich das Feld euch und euren Statements – egal ob hier, auf blasted.de, oder auf Facebook.

Links:
Bobo’s „Review“
Bazookafieds Rechnung, wie man sich seinen eigenen Camblaster bauen könnte
Bazookafied ist überzeugt worden
Folgt Chris

Chris Cross

Chris Cross bloggt regelmäßig Neuigkeiten aus der Dartblaster-Welt: "Das Hobby ist so vielfältig, dass man versuchen muss, allen Interessensgruppen gerecht zu werden". Egal ob Modder, Zocker, LARPer, jung oder alt - Chris versucht News zu machen, die jeden Fan interessieren. Dazu gehören auch Englische Artikel und Videos, immer wenn es etwas gibt, dass auch für die internationale Szene interessant ist.
Folgt Chris
 
Comments

Ich muß dir zustimmen. Die meisten vergessen das es sich bei Nerf um Spielzeug handelt. Ich finde das design des Camblasters super. die Camera ist vielleicht nicht die beste. aber fürs larp reichts“coolnessfaktor“ Ich werd ihn kaufen.. auch wenn er nicht billig ist.. aber welche größere Nerf ist das schon. Viele scheinen einfach zu hohe Erwartungen an die blaster zu stellen.

Die Kamera ist halt auch extrem cool integriert. Es macht wirklich Spaß, damit durch die Gegend zu laufen und dabei durchs Display zu gucken:)

Leave a Reply