Tek Recon ‒ Gummibänder, Gadgets und eine Portion Groll

Tek Recon ‒ Gummibänder, Gadgets und eine Portion Groll

Seit Anfang des Jahres geht ein Name durch die Blaster-Szene: Tek Recon. Neu und innovativ soll es sein und „Videospiele in die reale Welt bringen“, so eine Werbe-Aussage. Das haben aber schon Viele gewollt – Light Strike, App Gear und nicht zuletzt auch Hasbros LazerTag waren eher wenig erfolgreich.Tek Recon startet jetzt also einen neuen Versuch. Möglich gemacht werden soll das durch ein System, das es so vorher noch nicht gab: Die Kombination physischer Munition und „Augmented Reality“, sprich der Verbindung von realer Umgebung mit virtuellen Inhalten, in diesem Fall durch Smartphones. Auch im Marketing geht Tek Recon neue Wege.

Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

So ist Social Media Marketing ein Riesenthema für Tek Recon. Von Anfang an verstand es das Marketing, die Blaster an sich und Tek Recon im Allgemeinen als Teil der Community zu präsentieren. Die Szene war ganz Ohr im Bezug auf die Features und die Blogger hin und weg von der Offenheit und der einfachen Kommunikation, die sich ihnen bot. Um diesen Pakt zu besiegeln wurde dann die Entwicklung der kostenlosen App über Kickstarter massenfinanziert. Zum Dank für die finanzielle Unterstützung erhalten die Kickstarter dann ein Geschenk ‒ dazu später mehr.

Da dies tatsächlich mein erster Post über Tek Recon ist, nutze ich die Gelegenheit, das System mal vollständig zu erklären, bevor ich darüber schreibe, was sich neulich in den USA ereignet hat und Tek Recon fast viel Credit bei den Fans gekostet hätte. Also, es wird informativ und lang…

Die Hardware

NRG-Rounds: Gummibänder 2.0

Tek Recon "NRG" Munition (Photo von http://mylastdart.blogspot.com)

Tek Recon „NRG“ Munition (Photo von http://mylastdart.blogspot.com)

Das besondere an Tek Recon ist die verwendete Munition: die Blaster verschießen  kleine Gummibänder. Diese NRG-Rounds werden vom Blaster gespannt und dann ganz klassisch „losgeschnippst“. Über einen Schalter am Blaster ist wählbar, wie stark das Gummi vor dem Schuss gespannt werden soll – man kann also zwischen schneller Schussfolge und höherer Reichweite wählen. Die kleine Munition macht Kapazitäten möglich, die bisher undenkbar waren. Die NRG-Rounds sind  Munition und Kraftquelle zugleich ‒  das lässt Designs zu, die sich stark von herkömmlichen Blastern unterscheiden.

Die Hammer Head

(Photo von Tek Recon)

(Photo von Tek Recon)

 

Die Hammer Head ist der Einstiegsblaster. Geformt wie eine Pistole und etwas kleiner als eine Nerf Stryfe. Style-mäßig ganz weit vorne: Das Magazin im Griff, das 25 Schuss fasst sowie der Schlitten, der beim Schießen rückstoßartig zurück gestoßen wird. Geschossen wird halbautomatisch entweder über den Abzug oder durch Zurück- und Vorschieben des „Rapid Fire“-Griffes. In die Einbuchtung oben auf dem Blaster wird das Smartphone montiert. Dazu später mehr.

Die Havok

TEK - HAVOK - FRONT KID SHOTkl

Wer was Größeres braucht greift zur Havok. Auffällig die lange Tactical Rail (die so wirkt als könnte Softair-Zubehör darauf montiert werden) und die abnehmbare und ausziehbare Schulterstütze, die stark an die einer Nerf Raider erinnert. Im Magazin finden wahnwitzige 72 NRG-Rounds Platz. Auch hier kann man zwischen klassischem Abzug oder Pumpgun-Griff wählen.

 

Elektronische Flaggen

(Photo von Tek Recon)

(Photo von Tek Recon)

Mit diesen Scheiben verlassen wir langsam die Hardware-Welt und tauchen in die „erweiterte Realität“ (deutsch für „Augmented Reality“^^) ein. Diese Scheiben dienen als Flaggen für den Spielmodus „Capture the Flag“. Mit dem Smartphone werden die Flaggen gescannt und ein Signal wird an alle Mitspieler gesendet. Über GPS soll der Standort der Flagge verfolgt werden können.

Die Software: „Tek Recon: Advanced Battle Systems“

Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

 

Vorweg: Android-User dürfen mitspielen. Die iPhone-Version ist bereits im Appstore zu finden, von kurzem Anschauen wirkt sie auf mich aber noch etwas träge. Ob es am Programm selbst liegt oder an der Verbindung? Die Entwicklung der kostenlosen App wurde wie eingangs erwähnt durch Kickstarter finanziert. Dass die erreichte Summe von fast 60.000$ das geplante Ziel um fast 10.000$ übertroffen hat, zeigt wie viel Eindruck die Idee gemacht hat. Durch das Befestigen eines Smartphones an den Blastern eröffnen sich ganz neue Facetten des Spiels.

Arsenal-Auswahl: Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

Arsenal-Auswahl: Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

Und was die App alles können soll: Der Munitionszähler (den man momentan noch manuell zurücksetzen muss, wenn man nachgeladen hat) ist dabei schon super, wirkt aber im Vergleich zu den restlichen Features schon fast wie Steinzeit. Ein kleiner Stift tippt bei jedem Schuss auf das Display, was den Counter runterzählen lässt.

Im Zusammenhang mit den scanbaren Flaggen fiel die Abkürzung GPS. Was das bedeutet? Fast wie in „Aliens: Die Rückkehr“ wird die Position von Spielern auf einer Art Radar angezeigt. Gekontert wird das durch ein Addon, das man aktivieren kann, das den Spieler für eine Zeit für das gegnerische Radar unsichtbar macht.

Da man mit Smartphones bekanntlich sogar telefonieren kann hat sich Tek Recon diese Funktion auch gleich zu Nutze gemacht und drahtlose Teamkommunikaton eingebaut. Fast schon unnötig zu sagen: Auch hier gibt es eine auswählbare Funktion, mit der man den gegnerischen „Funkverkehr“ abhören kann.

In den Funkverkehr der Gegner hacken: Mit dem Power Up.  (Photo von Tek Recon)

In den Funkverkehr der Gegner hacken: Mit dem Power Up. (Photo von Tek Recon)

Abgerundet wird das Ganze durch futuristische Displays, die über die Live-Kamera gelegt werden und weiteren Gimmicks wie Ausrüstungs-Zusammenstellung, auswählbare Scope-Designs und anlegen von Benutzerprofilen. Profile? Ob man sich damit Ligen organisieren könnte?  Wäre super, allerdings registriert die App natürlich keine Tags, lediglich das Erobern von Flaggen könnten zur Online-Punkteverteilung dienen. Ob eine Eingabe von Hand möglich ist? In diesem Punkt sind die Infos noch dürftig. Aber man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein neues Produkt handelt, das bei Erfolg sicher erweitert wird.

Leaderboard? Ja bitte!  Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

Leaderboard=Tabelle? Ja bitte!
Screenshot der App (Photo von Tek Recon)

Wissenswert wäre noch, welche Netzwerke für die App verwendet werden. Sollte alles über mobile Netzwerke laufen, dürfte der Einsatz in dünn besiedelten Gebieten schwer sein. Wer schon mal auf einer LARP-Veranstaltung in Mahlwinkel war, weiß das. Aber ich kenne da eine Stelle mit 1m Radius auf dem Parkplatz, wo man telefonieren kann, wenn man das Handy auf Lautsprecher stellt und den Arm weit von sich streckt – bloß nicht das Handy ans Ohr halten:) Zurück zum Thema.

Und wo ist die Portion Groll?

Am 10.8. räumten die US-Ketten Walmart und Target die ersten Hammer Head-Blaster in die Regale. Die Unterstützer von Kickstarter waren, milde gesagt, überrascht, hatte Tek Recon ihnen doch versprochen, sie würden die Blaster vor allen anderen in den Händen halten. Verständlich, dass ein Aufschrei durch die Community ging. BayArea Nerf war der Erste, der seiner Enttäuschung in einem Review Luft machte. Was in einem Fiasko hätte enden können, wurde vom Tek Recon Marketing so gehandhabt, wie es sich für eine Firma gehört, die sich eine enge Verbindung zu ihren Fans so sehr auf die Fahnen geschrieben hat: Es gab blitzschnell eine offizielle Entschuldigung, eine Erklärung (Die Ketten hatten sich nicht an den geplanten Verkaufsstart gehalten) und das Versprechen, es bei allen Kickstarter-Unterstützern wieder gut zu machen:

TRibe and Kickstarter Backers – It seems like some retailers may have jumped the gun and expedited product shipments. We are looking into the issue right now and will be following up on Monday as soon as we have all the facts. Our intention has always been and remains for Kickstarter backers to receive product first. We apologize and appreciate your support. (Quelle: http://www.bayareanerf.com/2013/08/tek-recon-update.html)

An die Kickstarter ging eine separate Nachricht:

TRibe we are listening and we hear the disappointment of many of you loud and clear. It has always been our intention to plan to make sure that our kickstarter backers receive product ahead of retail availability. The development took longer than expected and were faced with the difficult decision to either ship some retail inventory first or lose the retail placement for the year based on contractual obligations. Ultimately the Tek Recon project could not succeed without being at retailers. We regret that this did not allow us to get your shipments out first and we are truly sorry. To all of our backers we appreciate your patience and support while we get out of the starting gate. The main focus of our kickstarter campaign was designed to help fund the building of a robust APP and thanks to your we have delivered. The good news is that product will begin to ship early next week and as a good gesture to our backers, each blaster will have an extra supply of NRG Rounds. We are committed to continuous improvement and value your feedback‘ we are listening and want the Tek recon experience to be nothing short of awesome. (Quelle: http://www.bayareanerf.com/2013/08/tek-recon-update.html)

In dem Fall liest es sich so, dass  TR die Produkte an den Einzelhandel geben musste, um nicht selbst vertragsbrüchig zu werden und ihren Platz in den Regalen für das ganze restliche Jahr zu verlieren. Verursacht wurde das durch die Verspätungen in der Entwicklung. Ziemlich ehrlich geschrieben.

Ich habe dann selbst bei TR nachgefragt woher vor allem die im Review so kritisierte schlechte Qualität und Schussleistung kommt. Ich wollte etwas provokant sein und fragte, ob vielleicht die Blaster verändert wurden um sie günstiger produzieren zu können (da die Blaster auf den Bildern von der Spielwarenmesse in New York etwas anders aussahen). Sie antworteten:

To be clear, the quality of TEK RECON blasters is exceptional and no compromises were made on the blasters to reduce costs. Our goal was and is to produce top performing blasters. We have received hundreds of comments from around the world that the look, feel and functionality of our product exceeds expectations. As is the case with almost all new products showcased at NY Toy Fair, the samples at the retailer preview show, were hand made models and are not expected to be final production.As for range, we have done thousands of tests and stand by the fact that TEK RECON Blasters will fire 75 ft or more. We posted a video on our facebook fan page that you can reference.

Auf mein Lob darüber, wie die Situation behandelt wurde, antworteten sie:

We have made an effort to engage blaster fans and have received the benefit of their opinions, guidance and support from the start and we owe it to the community and our fans to be open and honest.

Ich persönlich finde diese Offenheit und Selbstverständlichkeit bemerkenswert, da diese offenbar wirklich ernst gemeint ist und nicht nur Mittel zum Zweck.

Langes Fazit:

Hier das erste Video-Review der Hammer Head, aber auch noch ein wenig geprägt von der Einzelhandels-Krise. Kritik hauptsächlich darüber, dass das 25 Schuss-Magazin nur mit 15 Schuss kommt (dumm, weil die App immer von 25 Schuss ausgeht) und auf der Verpackung keine Reichweite angegeben ist. Desweiteren wird die langsame App kritisiert und die Tatsache, dass kein einziger Schuss von der App gezählt wurde. Ich habe den Munitionszähler heute kurz mit dem Finger getestet und keine Probleme festgestellt. Prinzipiell funktioniert es.

Und ein Review von unserem Freund Mylastdart zur Havok:

 

m Outdoor-Betrieb dürften die kleinen NRG-Rounds zum Problem werden (auch Indoor wird man sie schwer alle wiederfinden) und ob Larp-Orgas ihnen positiv gegenüber eingestellt sein werden? Schon die Kapazität der Blaster schlägt jeden Nerf-Blaster und dürfte das Balancing erschweren.

Trotzdem erwartet uns mit Tek Recon eine vielversprechende Alternative zu Nerf. Zumindest für ambitionierte Office-Wars könnte es DIE Zukunft sein, wenn die App wirklich einen Mehrwert bietet und über bloße Spielerei hinausgeht. Zwar sind die Blaster auch ohne Smartphone bespielbar (ein großes Plus!), sind aber dann auch „nur“ ein weiterer Versuch, Nerf Konkurrenz zu machen. Und ob sich da Gummibänder gegen Schaumstoff-Darts durchsetzen können, die einfach einen merkwürdigen Reiz ausüben?

Vom Sympathie-Faktor her kann man Tek Recon es nur wünschen. Selten in der Spielzeug-Branche (und noch nie in der Blaster-Szene) wurde die Community derart von einem Hersteller integriert. Die Wertschätzung, die der wachsenden Fan-Gemeinde (von ihnen „TRibe“ genannt) entgegen gebracht wird, ist immens. Es ist klar zu sehen, dass TR ein System von Fans für Fans sein will.

Momentan sucht Tek Recon in Deutschland noch nach passenden Vertriebspartnern, sieht hier aber definitiv einen Markt. Hoffentlich sehen wir sie noch dieses Jahr in den Regalen!

 

Noch mehr Lektüre:
http://blog.laptopmag.com/tek-recon-turns-real-life-into-an-action-packed-video-game
http://mylastdart.blogspot.de/2013/06/exclusive-interview-with-tek-recon-pics.html
http://urbantaggers.blogspot.de/2013/06/rant-tek-recon-best-foot-forward.html
Folgt Chris

Chris Cross

Chris Cross bloggt regelmäßig Neuigkeiten aus der Dartblaster-Welt: "Das Hobby ist so vielfältig, dass man versuchen muss, allen Interessensgruppen gerecht zu werden". Egal ob Modder, Zocker, LARPer, jung oder alt - Chris versucht News zu machen, die jeden Fan interessieren. Dazu gehören auch Englische Artikel und Videos, immer wenn es etwas gibt, dass auch für die internationale Szene interessant ist.
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Comments

Great article Chris, very well written and thought out. I have started to read your back catalogue 🙂 keep up the good work, I’m a big fan 🙂

Thanks Ash, hope it helped your German practice:)

flatten the skyline

Ich bin gespannt wie lange die Gummibänder halten und was sie kosten werden… Und ob blasterparts irgendwann tuning-gummis hat 😀

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