Zombiekiller für Groß und Klein: Design-Prozess der Nerf Zombie Strike Slingfire

Zombiekiller für Groß und Klein: Design-Prozess der Nerf Zombie Strike Slingfire

„Wie entwirft man einen Nerf-Blaster, der für Kinder angemessen ist, aber bedrohlich genug aussieht, um ein Zombiegehirn wegpusten zu können? Erstmal den Schlagring entfernen.“ Das ist das Fazit eines Blog-Artikels, in dem der Design-Prozess einer Nerf-Gun am Beispiel der Slingfire beschrieben wird. Der Artikel enthüllt auch originale Konzept-Zeichnungen bei denen man teilweise „Zum Glück“, teilweise „Ach, Schade“ sagen möchte, dass es nicht bei diesen Versionen geblieben ist. Ihr erfahrt wie ein Design so lange verändert wird, bis es möglichst viele Leute anspricht.


Der Original-Artikel, den ich hier für euch übersetzt habe, stammt aus einem Blog für Design, Wirtschaft und PR, geschrieben von einem Designer, der natürlich selbst kein Nerf-Fan ist. Einige Ungenauigkeiten habe ich daher kommentiert und an den markierten Stellen gekürzt, wo die Beschreibungen von Nerf und Hasbro sehr allgemein waren.

 

Hinter den Kulissen im Nerf HQ und das Making Of des Zombie Slingfire Blasters

Wie entwirft man einen Nerf-Blaster, der für Kinder angemessen ist, aber bedrohlich genug aussieht, um ein Zombiegehirn wegpusten zu können? Erstmal den Schlagring entfernen.

Wenn die Toten auf der Erde wandeln, wird die Zukunft der Menschheit mit Nerf erkämpft werden! Das ist die Idee hinter Zombie Strike, der Nerf-Linie von Schaumstoff-Dartblastern, die wie Waffen aus einer imaginären Zombie-Apokalypse wirken sollen. Im Herbst erscheint die neueste Waffe der Zombie-Strike-Linie: die Slingfire, ein Pump-Action [eigentlich Lever Action, Anm. Chris Cross], post-apokalyptischer, abgesägter Boomstick [auch nicht wirklich, eigentlich, Anm. CC] . Aber, sie wissen ja, für Kinder.

Eine leidige Design-Herausforderung für Nerf: Wie entwirft man einen Nerf-Blaster, der für Kinder angemessen ist, aber bedrohlich genug aussieht, um ein Zombiegehirn wegpusten zu können? Nerf lässt uns hinter die Kulissen der Entwicklung der Slingfire blicken, um herauszufinden, wie das Design während des Entwicklungszeitraums abgemildert wurde. Das ist das Leben einer Spielzeugwaffe: Hin und hergezogen zwischen der lebhaften Fantasie seiner erwachsenen Designer und dem mildernden Druck, allen Altersgruppen gefallen zu müssen.

[…]

„Die Inspiration für einen Nerf Blaster kann von überall her kommen„, sagt Brian Jablonski , ein Design-Director bei Nerf. Mit einem grauen Bart, der sehr gut das Gesicht eines post-apokalyptischen Scavengers zieren könnte, ergreift Jablonski eine Fusefire, einen Discblaster mit einem Auslösemechanismus (eher Lademechanismus, Anm. Chris Cross), der vom Geldschlitz einer Waschmaschine inspiriert wurde. „Aber für die Zombie Strike-Linie“, sagt er, „muss sich ein Blaster wirklich dem Setting angemessen anfühlen.“

The inspiration for a Nerf blaster can come from anywhere. But for the Zombie Strike line, a blaster really has to feel appropriate to the setting. – Brian Jablonski, Nerf Designer

Ein verbeultes Gewehr im Winchester-Stil mit einer hölzernen Schulterstütze, der grüne und orange Lauf von befleckten Bandagen zusammengehalten – die Slingfire sieht sicherlich aus, als hätte sie den Z-Day überlebt. Die erste Inspiration für das Design war, einen Blaster mit einem Auslösemechanismus zu entwickeln, der auf einem Hebel-Mechanismus zum Nachladen beruhte, vielleicht am bekanntesten durch die Verwendung von Kult-Zombiekiller Ash (Bruce Campbell) in Armee der Finsternis [Anm. Chris Cross: unwahrscheinlich, weil er nur in den letzten paar Minuten eine Winchester benutzt. Wie wäre es mit Shaun of the Dead als Zombie-bezogenes Winchester-Beispiel? Nerd-Trollmodus Off]. Während des gesamten Design-Prozesses stellten alle Konzepte und Prototypen die Slingfire als ein Gewehr mit kurzem Lauf und Hebel-Nachlademechanismus dar, bis hin zur letzten Version.

 

Frühester Konzept-Entwurf der Nerf Zombie Strike Slingfire

Eine der ersten Slingfire-Versionen. „Realistisch“ schreibt der Autor. Nicht realistischer als manches Nerf-Design, das es zur Veröffentlichung geschafft hat, sagt Chris Cross

Und trotzdem ist es erstaunlich, wie sehr sich viele der Versionen voneinander unterschieden. Die ersten Versionen der Slingfire sahen merkwürdig realistisch aus. Sicher, sie hatten einen orangen Lauf und Abzug (dies erfordern US-Gesetze und sind Teil von Nerf’s eigenen Sicherheitsbestimmungen). Aber es war mehr Military als Zombie. Nerf wollte den Fantasy-Ansatz besser bespielen. Also versuchten die Designer etwas anderes: Ein Blaster mit Merkmalen wie Klebeband um Griff und Lauf, als auch Schlagring-Dornen auf der Aussenseite des Nachladebügels. Dieses Design gewann, musste aber immer noch einige Korrekturen über sich ergehen lassen, bevor es sich wie ein kindertauglicher Zombiekiller anfühlte.

Nerf Slingfire Konzept-Dummy

Ein erster (nicht funktionaler) „Dummy“ der Slingfire. Auffällig: Die kleinen Details, die es nicht zur finalen Version geschafft haben.

Laut Nerf tragen eine Vielzahl Faktoren zur wahrgenommenen „Abmilderung“ eines Blasterdesigns bei. Der Preis spielt eine beträchtliche Rolle: Das Detail der Holzmaserung und die Textur der Stoff-Umwicklungen der Slingfire-Modelle sieht cool aus, aber wäre unmöglich zu Produzieren bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von $29,99. Weitere Faktoren sind die verwendeten Farben basierend auf Zielgruppentests, die Wünsche und Bedenken von Händlern, wie das Produkt in den Verkaufsregalen aussieht und Sicherheitsbedenken ob ein Blaster mit einer echten Waffe verwechselt werden könnte.

 

Farbvariante der Slingfire

Igitt… Gut, dass diese Farbvariante es nicht geschafft hat – nicht nur weil die Bandagen wie in Blut getränkt aussehen:)

Im Fall der Slingfire gab es Experimente, den Blaster mit einem Blau-Orange-Farbschema spielzeugähnlicher zu machen, wenn man aber genau hinschaut, scheint dies den Effekt gehabt zu haben, dass die Spritzer auf den verdreckten Bandagen ein wenig wie Blut aussahen.

Nerf entschied sich gegen die Farben und entschied sich stattdessen für Grün und Orange. Nach Beratungen entschied sich Nerf, die Farbe der Slingfire von einem militärischen Olive auf ein fluoreszirendes „Nuke“-Grün aufzuhellen. Ebenfalls wurden die Schlagring-Knöchel auf dem Spannbügel verworfen, nachdem sie als zu aggressiv bewertet wurden.

 

Am Ende des Tages verteidigt Jablonsik diese Veränderungen: Es gehört alles zum Design-Prozess eines Blasters, der so viele Leute wie möglich erreichen soll. „Manchmal muss man Kompromisse eingehen und als Designer strebt man immer danach, es das nächste Mal besser zu machen“, sagt Jablonski.

 

Betrachtet man den Design-Prozess der Slingfire mag es verblüffend sein, wie detailliert und sogar realistisch die ersten Prototypen sind. Sie sehen weniger wie Kinderspielzeug aus als wie Wunschtraum-Erfüllungsblaster für Erwachsene. Was sie auch sind, wenn man bedenkt, dass Nerf-Designer auch Nerf-Fans sind. Bis zum Zeitpunkt, an dem ein Nerf-Blaster in den Verkaufsregalen steht, muss er aber für Jedermann geeignet sein, egal wie viele Zombies man damit töten will.

Quelle:
Fastco-Design
 

Fazit von Chris Cross

Wenn auch der Entwicklungsprozess eines Blasters vom ersten Entwurf bis zum Produkt im Regal schmerzlich sein kann, so nachvollziehbar sind doch die Überlegungen und die Maßnahmen. Insbesondere die Zombie Strike-Serie soll sowohl Erwachsene als auch Kinder begeistern – da muss man einen Kompromiss finden. Ob dieser jetzt gelungen ist oder nicht, ist sicher

Zombie Strike Slingfire Winchester Concept by Alex Cooke

So hätte eine Nerf-Winchester auch aussehen können – ginge es nach Nerf-Fan Alex Cooke

Geschmackssache. Ich frage mich nur, wie man bei Nerf entscheidet, ob ein Entwurf zu realistisch ist und abgemildert werden muss. Ich persönlich sehe keine großen Unterschiede im „Realitätsgrad“ zwischen der ersten Slingfire-Version und zum Beispiel einer Retaliator oder Centurion.

Allerdings kommt kein Hasbro-Entwurf an das Design einer Nerf-Winchester heran, das ein Fan entworfen hat, als die ersten Gerüchte aufkamen.
Wäre es nicht toll, wenn Hasbro nach einer Mädchen-Linie auch eine Erwachsenen-Linie mit allen abgelehnten Blasterkonzepten machen würde?  

Folgt Chris

Chris Cross

Chris Cross bloggt regelmäßig Neuigkeiten aus der Dartblaster-Welt: "Das Hobby ist so vielfältig, dass man versuchen muss, allen Interessensgruppen gerecht zu werden". Egal ob Modder, Zocker, LARPer, jung oder alt - Chris versucht News zu machen, die jeden Fan interessieren. Dazu gehören auch Englische Artikel und Videos, immer wenn es etwas gibt, dass auch für die internationale Szene interessant ist.
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Comments

„Wäre es nicht toll, wenn Hasbro nach einer Mädchen-Linie auch eine Erwachsenen-Linie mit allen abgelehnten Blasterkonzepten machen würde?“

Jo, dem schließe ich mich an. Blaster ab 14 mit einem Design ähnlich Tek Recon, ordentlichen Darts wie die von xplorer (jedenfalls die Tips) und eine Performance wie modifizierte Blaster. Sollte doch nicht so schwer sein.

Mir fällt gerade ein, dass jemand anderes genau so etwas schon gemacht hat: Die „Maya Group“, bekannt für die „Xploders“-Blaster, haben mit „Blaster Pro“ eine Blaster-Sarie für Erwachsene, die allerdings diese Gelkugeln verwendet: http://bit.ly/1nfuP2i Könnte sich Hasbro also mal ein Beispiel dran nehmen;)

Einige der aus dem Originalartikel übernommenen Aussagen sind faktisch ungenau, teils sogar falsch. Vor allem fällt mir das hier ins Auge:

“ Sicher, sie hatten einen orangen Lauf und Abzug (dies erfordern US-Gesetze und sind Teil von Nerf’s eigenen Sicherheitsbestimmungen).“

Dass das Laufende einer Spielzeugwaffe in den USA aus unbemaltem orangefarbenen Plastik bestehen muss, ist unbestritten, aber der Abzug auch? Fängt doch schon bei den Rebelle-Blastern an, von denen viele einen violetten Abzug haben. Die Jolts aus dem Sonic Fire/Sonic Ice-Viererpack haben sogar graue Abzüge.

Allgemein kenne ich es im Falle von N-Strike Elite so:
Orangefarbener Abzug = unmodifizierter Blaster mit maximaler von Hasbro beabsichtigter Performance
Grauer Abzug (mit Ausnahme der oben erwähnten Jolts) -= modifizierter Blaster mit reduzierter Performance, um den strengeren Sicherheitsvorschriften einiger Länder (insbesondere Australien und Neuseeland) zu genügen.

Die Farben der Abzüge sind meines Wissens keine gesetzlichen Vorgaben, sondern nur eine Hasbro-interne Farbkodierung, um die verschiedenen Versionen der Blaster unterscheiden zu können.

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